Ukraine

KULTUR IN L’VIV

Im ca. 200 km vom Rainbow entfernten L’viv trafen wir zahlreiche Bekannte wieder. Kaum in der Stadt, begegneten wir trommelnden und feuerjonglierenden Hippies, die uns auch gleich eine Herberge in ihrer ursprünglich zu viert angemieteten Wohnung anboten. Die ersten zwei Nächte schliefen grob geschätzt 40 Menschen in der ca. 100qm großen Zweizimmerwohnung auf nahezu jedem verfügbaren Zentimeter Boden-, Bett- oder Sofafläche. Danach wurde es etwas gemütlicher.

In dem europäisch beeinflussten L’viv fanden gerade zwei Festivals für moderne Kunst statt, die wir im Laufe der nächsten Woche abwechselnd besuchten. Tanja studiert eine Art Medienwissenschaften mit Schwerpunkt moderne Kunst, und in ukrainischen Universitäten ist es üblich, dass einzelne Studenten Ausstellungen besuchen und im Anschluss ihren Kommilitonen darüber berichten. Manchmal werden sogar die Fahrtkosten gemeinschaftlich gesammelt, damit man auch von Ereignissen erfährt, die Einzelne mangels Geldes nicht besuchen könnten.
Die Veranstaltungen waren trotz des internationalen Anspruchs ausschließlich auf Ukrainisch oder Polnisch. Ein Seminar über einen Ukrainischen Theaterdirektor habe ich in einem anderen Artikel zusammengefasst. Des Weiteren gab es einige nicht gerade herausragende Ausstellungen und Konzerte mit elektronischer Musik. Gelegentlich überkam mich das Gefühl, es geht wohl eher um das Sehen und Gesehenwerden, als um die Kunstwerke an sich. Eine herausragende Installation ist mir im Gedächtnis geblieben: Ein Künstler projizierte in einen mit gemütlichen Kissen ausgestatteten Raum Filmaufnahmen von Menschen, die auf den Kissen lagen und von ihren Träumen über Europa erzählten.

Aber auch das spazieren durch L’Vivs hübsche Altstadt hat seinen Reiz. Es gibt so viele Cafés wie wohl nirgends sonst in der Ukraine und die Stadt bemüht sich, es den Touristen so angenehm wie möglich zu machen.
In unserer Bleibe hatten wir ständig wechselnde interessante Gäste. Vorwiegend aus Russland und der Ukraine, aber auch aus diversen anderen Ländern. Mit gemeinsamen Kochen und Tratschen lässt sich auch so mancher Abend verbringen.

Nach einer Woche machten Tanja und ich uns auf den Weg nach Kiew, wieder per Autostop. Die Landschaft in den Ausläufen der Karpaten war beeindruckend, das Fortkommen ebenso. In der eher armen Westukraine besitzt man eher einen Pferdekarren als ein Auto, und Anhalter nehmen eigentlich nur Ausländer mit. Neben einem in der Tschechischen Republik arbeitenden Ukrainer hat uns noch ein alter Bekannter vom Rainbow mitgenommen, er war nach 8 Jahren Reisen im fernen Osten mit seinem Vater auf dem Weg zu einem Wellness-Hotel. Das war aber auch schon alles an Mitfahrgelegenheiten – ich habe einen neuen Negativrekord aufgestellt: 200km in acht Stunden, also zwei Tage für die 400km nach Kiew. Und das schließlich vorwiegend mit Bussen, da Tanja dringend mal wieder in die Uni musste.

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3 Responses to “Ukraine”

  1. Stephan Says:

    meeeeensch thorsten, datt hört sich ja interessant an! das musste mir mal vis–à–vis erzählen. (falls du nochma in schland vorbeiguckst :-) ) greetz !

  2. Stephan Says:

    … seh grad, dass das unter dem komplett-artikel steht. ganz speziell meinte ich das mit dem aikido-meister ;-)

  3. Thorsten Krug Says:

    Werd ich auch mal wieder. Wahrscheinlich bin ich am 22. Juni in Heggelbach bei meiner Schwester. Ein kleinen niedliches festival. Sobald ich mehr weiss, gibt es noch ne email Einladung.

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